GESCHICHTEN - bürgerschaftliches Engagement

Engagiert ihr euch bereits? Wir wollen euch eine Plattform für eure Projekte bieten und andere dazu ermutigen, sich euch anzuschließen und/oder eigenständig aktiv zu werden. Stellt uns euer Vorhaben vor und gebt uns einen Einblick, wie ihr die Gesellschaft mitgestaltet!
Schickt gerne dafür eure Texte gemeinsam mit Bildern an folgende E-Mail-Adresse: selia.boumessid@b-b-e.de

Roxanne

Alter
23
Herkunft
Meine Geschichte
Mein Name ist Roxanne Honardoost, ich bin 23 Jahre alt und studiere derzeit Iranistik an der Freien Universität Berlin.
In den vergangenen Jahren habe ich mich auf ganz unterschiedlichen Arten ehrenamtlich engagieren können. Im Wintersemester 2019/2020 war ich bei der Organisation Togo-Aktion-Plus als Deutschlehrerin tätig und habe Menschen, die noch nicht lange in Deutschland sind beim Erlernen der Sprache unterstützt. Im Rahmen eines Projekts für die Universität haben meine Kommiliton*innen und ich ein paar Videos gemacht, die neuzugewanderten Menschen essentielle Themen näherbringen sollten. Da ging es mitunter darum, wie das Schulsystem und das Gesundheitssystem funktionieren.
Seit Anfang 2020 schreibe ich ehrenamtlich für das Magazin „KulturTuer“. Die KulturTuer ist ein gemeinschaftliches Projekt, das in Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen herausgegeben wird. Momentan arbeite ich an einem Projekt, dass versucht etwas positives aus der Coronakrise zu gewinnen. Da wir nun alle Expert*innen auf dem Gebiet der Online-Konferenzen sind, habe ich an meinem Institut den Vorschlag gebracht monatliche Treffen abzuhalten zwischen den Student*innen der Freien Universität und Menschen aus aller Welt, um einen interkulturellen Dialog anzustoßen, von dem alle was mitnehmen können.
Ich engagiere mich wirklich gerne aus dem einfachen Grund, dass mir die Arbeit mit anderen Menschen einfach total viel Spaß macht!

Dilay

Alter
25
Herkunft
Meine Geschichte
Hallo, mein Name ist Dilay, ich bin 25 Jahre alt und lebe in Hannover. Ich studiere an der Leibniz Universität Hannover im Master of Education die Fächer Englisch und Werte und Normen. Durch eine Kommilitonin bin ich auf den gemeinnützigen Verein "InteGREATer" aufmerksam geworden, in dem ich seit Juni 2019 aktives Mitglied bin. In diesem Verein engagieren sich junge Menschen mit Migrationsgeschichte, meist Studierende, um mit ihren Biographien Kinder und Jugendliche zu empowern. Deutschlandweit gibt es mehrere Regio-Gruppen mit unterschiedlichen Mitgliederzahlen. Mit dem Motto „Wenn wir es geschafft haben, dann schafft ihr es auch!“ versuchen wir vor allem durch Besuche in Schulklassen Schüler*innen zu motivieren, indem wir von unserem Bildungsweg und den Herausforderungen und Hindernissen, die uns begegneten, berichten.
Es ist mir sehr wichtig durch die Schilderung meiner Erfahrungen den Schüler*innen zu zeigen, wie bedeutsam Bildung ist, welche unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten bestehen und dass Herausforderungen und Hindernisse Teil des Findungsprozesses sind. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann hätte ich mir diese Form von Unterstützung sehr gewünscht. Nun sehe ich mich in der Verantwortung, diese Rolle einzunehmen und meine Erfahrungen und Erkenntnisse zu teilen und bei der Orientierung zu helfen. Um Kinder und Jugendliche zu erreichen und eine Art Vorbildfunktion einzunehmen ist Authentizität ausschlaggebend. Ich bin überzeugt davon, dass uns dies mit unserer ehrenamtlichen Arbeit gelingt.
Im Jahr 2020 konnten wir aufgrund der Corona-Pandemie leider nur sehr wenig Schulbesuche machen. Daher war es umso schöner, dass wir an einer Schule in Hannover einen virtuellen Schulbesuch organisieren und durchführen konnten. Ich hoffe, dass sich die Situation in diesem Jahr ändert und wir wieder Schulen besuchen und mit den SchülerInnen arbeiten können.

Tannaz

Alter
30
Herkunft
Meine Geschichte
Mein Name ist Tannaz Falaknaz, ich bin 30 Jahre alt und engagiere mich seit 8 Jahren in der der SPD. Seit 2016 habe ich ein kommunalpolitisches Mandat und bin stellvertretende Fraktionsvorsitzende und gleichstellungspolitische Sprecherin im „Stadtparlament“ in Pankow. Ich habe persönlich das Glück, mich in Berlin zu engagieren, wo viele Menschen mit internationaler Erfahrung zusammenarbeiten und sich auch ehrenamtlich engagieren.
So sind auch in meiner Partei und meinem Bezirk in Pankow viele Menschen, die meinen Alltag so vielfältig machen. Von persönlichem Glück spreche ich, weil ich weiß, dass es in vielen Teilen Deutschlands anders aussieht. Dass in vielen Ortsvereinen viele Frauen fehlen. Und Menschen mit Migrationsbiografie. Was ich in Berlin mein persönliches Glück nenne, ist gesamtgesellschaftlich ein großes Problem.
Ich bin politisch aktiv, weil ich davon überzeugt bin, dass die Parlamente und Parteien vielfältiger werden müssen. Nicht aus Prinzip, sondern weil Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen, unterschiedliche Ideen und unterschiedliche Blickwinkel haben. Zeitgleich verstehe ich, warum so viele Menschen Politik nicht als attraktiv erachten, warum sie sich nicht einbringen möchten und sich nicht angesprochen fühlen. Es ist unsere Aufgabe genau zu schauen, warum wir bestimmte Menschen nicht erreichen, wie wir Politik gestalten müssen, damit alle Menschen, die sich engagieren wollen, auch einen Weg in die Politik finden.
Aber wir dürfen auch nicht müde werden, immer wieder deutlich zu machen, wie schön es ist, sich engagieren zu können. In dem Land, in dem ich geboren bin, gibt es viele Menschen, die ihre Stimme nicht erheben können, die nicht das Privileg haben, sich politisch einzubringen. Mich in einem demokratischen Land politisch zu engagieren war daher keine Entscheidung. Es ist meine Pflicht.

Atiena

Alter
26
Herkunft
Meine Geschichte
Salam und hallo ihr Lieben! Mein Name ist Atiena, ich bin 26 Jahre alt und habe iranische Wurzeln. Mit diesem Text möchte ich euch gern etwas mehr über mein jahrelangesEngagement in meiner Freizeit erzählen. Vielleicht kann ich den einen oder anderen aufdiesem Wege animieren sich auch zu engagieren.
Bereits in der Schulzeit habe ich als Schülersprecherin stets versucht mich für meineMitschüler einzusetzen. Später mit dem Beginn meines Studiums 2015 in Göttingen öffnetensich mir viele neue Türen. Da ich aus einer sehr kleinen Stadt mit 20.000 Einwohnernkomme, sah ich Göttingen als eine Chance mir ein neues Netzwerk aufzubauen. Vor allemaber wollte ich meine Muttersprache „Farsi“ für etwas Gutes nutzen. Sehr schnell bekam ichvon der neu gegründeten Hochschulgruppe „Conquer Babel“ mit und wurde nach einigenSitzungen Mitglied. Conquer Babel setzt sich für geflüchtete Menschen ein, mit demhauptsächlichen Ziel Sprachbarrieren und Isolation durch das Angebot vonÜbersetzungsdiensten, Deutschunterricht und Social Eventszu überwinden. Ich begann denDeutschunterricht zu organisieren, Räume zu finden, Einstufungstests durchzuführen und indem Ganzen ein System reinzubringen. Zusätzlich begleite ich seit Jahren Menschen, dienoch nicht so gut die deutsche Sprache beherrschen zu wichtigen Terminen und dolmetschefür sie. Neben meinen Tätigkeiten bei Conquer Babel bin ich außerdem seit drei Jahren Teileiner wunderbaren Theatergruppe, die aus Menschen unterschiedlichster Herkunft besteht. ImRahmen des „jungen Boat People“ Projektes durften wir Stücke einspielen und vorspielen, welche Themen wie Menschenrechte, Rassismus, Diversität und Gleichberechtigung aufgreifen. Leider ist es aufgrund der momentanen Situation sehr schwierig, aber nichtunmöglich weiterzumachen. Beispielsweise haben wir uns erst letzte Woche einem Appell an das EU Parlament angeschlossen. Dabei haben wir per Zoom einen poetischen Text gelesen und aufgenommen, welches auf die katastrophale Situation der geflüchteten Menschen inBosnien aufmerksam macht.
Zusätzlich habe ich mich auch, zuallererst durch die Arbeit in der Fachgruppe und später als Fachgruppensprecherin, für die Interessen meiner Kommilitonen aktiv eingesetzt.
Ich kann nur sagen, dass ich durch mein Engagement unglaublich viel gelernt habe. Ichkonnte meine persönlichen Kompetenzen und Fähigkeiten stärken und gleichzeitig meinUmfeld und die Gesellschaft mitgestalten. Oft verstehen viele nicht, wieso man so viel vonseiner Freizeit für andere Menschen herschenkt. Für mich war schon immer selbstverständlich da zu helfen, wo ich kann. Was mich dabei am meisten motiviert hat war dieInanspruchnahme unserer Angebote/Hilfe und die Dankbarkeit der Menschen. Nicht zuvergessen, dass man durch solches Engagement unglaublich viele, neue, vielfältige undinteressante Menschen kennenlernt. Man ist eine Gemeinschaft und engagiert sich für eingemeinsames Ziel, was uns verbindet. Jede helfende Hand und jede noch so kleine Aufgabe oder Fähigkeit ist ein großer Nutzen für eine erfolgreiche Sache. Man entwickelt neue Ideen, kann sie umsetzen und damit etwas Sinnvolles bewirken. Ein sehr erfüllendes Gefühl, welches sich dabei in einem ausbreitet. Wenn ich mittlerweile durch die Straßen Göttingens gehe, werde ich von so vielen lächelnden Gesichtern begrüßt „Atiena khanom, Atiena khanom“, wird meistens gerufen. Dies zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.

Beri Agbayir

Alter
Herkunft
Meine Geschichte
Mein Vater sagte immer „Alles ist politisch“.
Er spielte die Saz und sagte „Wenn du ein kurdisches Lied singst, ist das politisch“.
Ich kann leider weder Saz (anatolisches Musikinstrument) spielen noch kurdisch sprechen, aber politisch interessiert bin ich seitdem ich denken kann. Jeder Mensch, der sich dieUngerechtigkeiten in unserer Welt anschaut, hat bereits eine Verantwortung. Als junge Frau einer Minderheit innerhalb einer Minderheit musste ich immer lauter sein als andere, umGehör zu finden. Meine kurdisch-alevitischen Wurzeln sind an für sich also schon eine Politisierung, der ich mir bewusst war und nie entziehen konnte oder wollte.
Aufgewachsen und sozialisiert in einer kleinen Kurstadt im Norden von Frankfurt hatte ich in meiner Jugend kaum Berührungspunkte mit Kultur und Identität. Meine Familie war aktiv im alevitischen Verein, wo ich dann auch schnell zur Jugendarbeit fand. Ich engagierte mich in einem Kinder- und Jugendverband, merkte aber schnell, dass ich mich zusätzlich in einer Partei einbringen will. Schnell fand ich aufgrund der Inhalte und aus eigenem Antrieb zu den Jusos, wo ich bis heute aktiv bin. Gerade in der Kommunalpolitik habe ich dadurch das Gefühl, etwas Reales für die Menschen in meinem Kreis verändern zu können und das schätze ich sehr. Ob es einen Radweg betrifft oder um Kitagebühren geht, ich kann die Stadt aktiv mitgestalten.
Nun hatte ich meinen politischen Durst gestillt, mir fehlte aber der Austausch mit kurdischen Genoss*innen. Auf kurdischen Demos war ich ohnehin schon regelmäßig ganz vorne mit dabei. Nach kurzer Recherche bin ich auf die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD)gestoßen, die sich nicht nur auf den Straßen, sondern auch in Ämtern und Parlamenten für unsere Rechte und Interessen einsetzt. Ab März diesen Jahres beginne ich bei der KGD eine Ausbildung zur Demokratieberaterin. Es geht dabei um die Unterstützung von Gemeinden inKonfliktsituationen oder beim Aufbau von Strukturen. Neben den Organisationen, bei denen ich tätig bin, engagiere ich mich auch privat ehrenamtlich, beispielsweise bei teachers on the road. Wir geben Deutschunterricht für Geflüchtete und Migrant*innen. Auch das Podcast Projekt „Hörgut“ gemeinsam mit der Iranischen Gemeinde Deutschland hat mich in der Überzeugung bestärkt, selbst etwas bewegen zu können.
Mit anderen Menschen in Kontakt zu treten ist meine Motivation bei allen Dingen, die ich tue, weshalb ich mich über Nachrichten von euch sehr freuen würde! Egal was ihr macht, denkt immer an das kurdische Sprichwort "Mach eine Freude und lass sie im Wasser davonschwimmen.", sinngemäß "Tu was Gutes ohne nachzufragen.".